Die Wahl des Bundespräsidenten, insbesondere das mutmaßliche Abstimmungsverhalten der linken Wahlfrauen und Männern, hat bei vielen Sympathisant/Innen unserer Partei für Verwirrung ja sogar für Unmut gesorgt. Daher hier ein paar erklärende Worte, warum DIE LINKE mit einem Votum für Joachim Gauck ihre Glaubwürdigkeit auf Spiel gesetzt hätte. Weiter ist es fraglich, ob Union und FDP im ersten Wahlgang gegen den eigenen Kandidaten gestimmt hätten, wenn DIE LINKE sich offen hinter Gauck gestellt hätte.
Weder Christian Wulff noch Joachim Gauck vertreten eine Politik, die DIE LINKE verantworten kann. Beide Kandidaten eint ein konservatives Weltbild. Christian Wulff wurde von der schwarz-gelben Bundesregierung vor allem als politischer Kandidat vorgeschlagen, dessen Aufgabe auch darin bestehen soll, dafür zu sorgen, dass der angekündigten Sozialabbau-Politik aus dem Bundespräsidialamt keine Hindernisse in den Weg gelegt werden.
Joachim Gauck, von SPD und Grünen vorgeschlagen, findet mit seiner liberal-konservativen Einstellung auch viele Anhängerinnen und Anhänger im schwarz-gelben Lager. Viele Kommentatoren in den Medien meinen, er wäre der bessere Kandidat für Angela Merkel. Entscheidend dafür, dass DIE LINKE den Kandidaten Joachim Gauck nicht als gemeinsamen Kandidaten der Oppositionsparteien unterstützen konnte, sind folgende Gründe. Er befürwortet den Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Wir wollen einen Bundespräsidenten, der für Frieden eintritt. Er befürwortet Hartz IV. Wir fordern die Abschaffung von Hartz IV. Der Zusammenhang von sozialen und liberalen Freiheitsrechten, von Freiheit und Gleichheit, ist kein Thema von Joachim Gauck. Bei der Idee der Freiheit blendet Joachim Gauck die soziale Dimension aus. Das Eintreten für den Sozialstaat und die sozialen Grundrechte ist etwas, was DIE LINKE von jedem zukünftigen Bundespräsidenten erwartet.
Wir waren gesprächsbereit bei der Suche einer gemeinsamen Kandidatin/eines Kandidaten, die/der bei den wichtigsten Fragen der aktuellen Politik für Frieden und für eine soziale Politik und für eine Erneuerung der Industriegesellschaft eintritt. SPD und Grüne haben diese Gesprächsbereitschaft leider nicht genutzt, sondern parteitaktisch gespielt, um Union, FDP und Linke zu treffen.