GREVENBROICH. (bov) Die Fraktion „DIE LINKE / FBG“ im Grevenbroicher Stadtrat ist der Auffassung, dass mit dem plötzlichen Interesse der CDU am Elternwillen, die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt zum Narren gehalten werden. Seit Bestehen der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in der Südstadt sind bereits sehr viele Kinder abgewiesen worden. Alleine in den letzten zehn Jahren waren es jährlich bis zu 200 Schülerinnen und Schüler, die keinen Platz in der Gesamtschule bekommen haben. Da kann die versuchte Verniedlichung der aktuellen Zahl von 90 Abweisungen nicht darüber hinweg täuschen, dass es in Wirklichkeit 130 sind, wenn man den Zweitwunsch mit berücksichtigt und die Dunkelziffer ist noch weit höher, weil mansche Eltern wegen den fehlenden Erfolgsaussichten eine Anmeldung an der Gesamtschule erst gar nicht mehr vornehmen.
Die Ratsherren Thomas Bovermann (FBG) und Walter Rogel-Obermanns (DIE LINKE) stellen sich die Frage, warum die CDU nicht schon vor 20 Jahren eine Elternbefragung beantragt hat. Jetzt – wo der Elternwille seit vielen Jahren mehr als ausreichend für eine zweite Gesamtschule dokumentiert ist – hält die CDU offensichtlich an alte ideologische Schulstrukturen fest und will eine Sekundarschule in Grevenbroich einführen, damit die - aus deren Sicht - ungeliebte zweite Gesamtschule verhindert wird.
Sollte die Elternbefragung im Grevenbroicher Stadtrat eine Mehrheit finden, muss man sich darüber im klaren sein, dass vor dem Schuljahr 2014 / 2015 die neue Schule – zweite Gesamtschule oder Sekundarschule – nicht eingeführt werden kann, weil umfangreiche Fristen und die Erstellung von Konzepten für beide Schulformen beachtet werden müssen. Die Folge des CDU-Antrages wäre eine weitere Verzögerung von mindestens einem Jahr. Wird jedoch auf eine Elternbefragung verzichtet, kann schon im Schuljahr 2013 / 2014 die zweite Gesamtschule starten, die hinsichtlich der Kosten nicht teurer als eine Sekundarschule wäre, wie dies von der CDU behauptet wird und durch nichts belegt ist.
Die Fraktion „DIE LINKE / FBG“ erwartet von der SPD, dass sie zu ihrer positiven Position zur zweiten Gesamtschule steht.
Mit der Fraktionsbildung von LINKE und Freie Bürger am 31. Oktober 2009 wurde seinerzeit der Ball für eine zweite Gesamtschule ins Rollen gebracht. Im Juni 2010 folgte der erste Ratsantrag zur Schaffung einer zweiten Gesamtschule, der im September 2011 nochmals im Rat von LINKE und Freie Bürger gestellt worden ist. Eine Podiumsdiskussion der Fraktion „DIE LINKE / FBG“ mit der Landtagsabgeordneten und Vize-Landtagspräsidentin Gunhild Böth (DIE LINKE) im September 2011 und einige Infostände in der Stadt sowie viele Gespräche mit den Bürgern rundeten unsere Aktionen zu diesem Thema ab, während andere Fraktionen zu dieser Thematik noch keine Position hatten.
Zur besagten Podiumsdiskussion war auch die CDU von uns eingeladen worden. Sie blieb der Veranstaltung fern, wahrscheinlich weil sie ein großes Problem damit hat, dass unsere Fraktion die zweite Gesamtschule im Rat beantragte. Unsere Fraktion hingegen, nahm an der Schul-Veranstaltung der CDU im Januar 2012 teil. Nicht zuletzt zeigt dieses Beispiel, wie weit es mit der Akzeptanz der CDU ist, wenn es um unsere Fraktion geht. Ein gegenseitiges Respektieren einer Ratsfraktion sieht anders aus.
Viele Eltern vertreten die Meinung, dass ihr Kind besser an einer Gesamtschule aufgehoben ist, weil je nach Entwicklung des Kindes der bestmögliche Schulabschluss bis zum Abitur möglich ist. Die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule genießt diesbezüglich einen sehr guten Ruf. Nicht zuletzt ist dies ein wichtiges Kriterium für die Eltern, welches die CDU endlich zur Kenntnis nehmen sollte.
Die Fraktion „DIE LINKE / FBG“ wird daher ihren aktuellen Ratsantrag dahingehend ergänzen, dass die Schaffung der zweiten Gesamtschule in Grevenbroich sofort erfolgen soll mit dem nach den Regularien möglichen Schuljahr 2013 / 2014. Deshalb werden wir die von der CDU geplante Elternbefragung im Stadtrat ablehnen.
Foto: An der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in der
Grevenbroicher Südstadt wurden in den letzten zehn
jährlich bis zu 200 Schülerinnen und Schüler abgewiesen
Foto: Thomas Bovermann
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