Bodo Ramelow will eine gleichberechtigte Kandidatensuche auf Augenhöhe

18.09.2009

Interview mit Bodo Ramelow: „Althaus kommt nur noch dienstags“

Heute Mittag gab Bodo Ramelow, Spitzenkandidat in Thüringen und stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, ein Interview bei WDR2. Hier lesen Sie Auszüge aus dem Gespräch mit Mittagsmagazin-Moderator Michael Brocker.

Michael Brocker: Herr Ramelow, warum wollen Sie jetzt doch auf den Posten des Ministerpräsidenten von Thüringen verzichten, um eine rot-rot-grüne Koalition möglich zu machen?

Bodo Ramelow: Ich kann nicht auf etwas verzichten, was ich gar nicht habe. Thüringen befindet sich in einem katastrophalen Zustand, wir können das ja gar nicht mehr fassen, was hier los ist. Der amtierende Ministerpräsident kommt nur noch Dienstags zum Regieren und ist in Deutschland mittlerweile zu einer tragischen Figur geworden. 

Die Grünen wollen sich heute entscheiden, ob sie sich eine Koalition mit SPD und LINKEN vorstellen können. Ich kann verstehen, dass die Grünen Angst davor haben, wie in einem Sandwich zwischen SPD und LINKEN zerdrückt zu werden. Ich strecke den Grünen hiermit die Hand aus und möchte mit ihnen und der SPD gemeinsam etwas auf Augenhöhe anpacken, um Thüringen einer Reformpolitik zu unterziehen.

Brocker: Welche Entschädigung verlangen Sie denn von der SPD für Ihr Entgegenkommen, dass die Sozialdemokraten nun doch den Ministerpräsidenten stellen dürfen?

Ramelow: Ich verlange keine Entschädigung, ich will nur nicht dass die Reformpolitik in Thüringen wieder untergeht, wenn SPD und CDU gemeinsam regieren. Die CDU hat zu verantworten, dass Thüringen sich in einem katastrophalen Zustand befindet, wo der Regierungschef nur noch dienstags zum Dienst erscheint. Die Zeit der Zwei-Parteien-Koalitionen ist sowieso vorbei. Wir müssen gemeinsam neue Wege auf Augenhöhe gehen.

Ich möchte den Grünen die Angst nehmen und mit ihnen und der SPD gemeinsam und gleichberechtigt etwas aufbauen. Im Moment ist doch klar, dass die LINKE Matschie nicht wählen würden und die SPD nicht Ramelow. Wenn wir uns aber so immer weiter im Weg stehen, dann kommen wir zu nichts.

Die SPD, Grüne und LINKE müssen sich gleichberechtigt auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen und diesen tragen und nicht ertragen. Es muss Schluss sein mit diesem Alphatier-Gehabe der CDU, wo der Regierungschef nur dienstags zum Dienst kommt.

Aufgezeichnet von Uwe Jansen, Pressesprecher DIE LINKE, Neuss